Überraschend hoher Sieg gegen Recklinghäuser SG
Recklinghausen, 31.01.2010 6. Runde Verbandsliga Gegner: Recklinghäuser Schachgemeinschaft Läufer-Ost (RSG Läufer/Ost
Austragungsort des Wettkampfes war die Sportstätte: Hotel/Restaurant Wüller. Zeitgleich zu unserer Verbandsliga-Begegnung spielte die 3. Mannschaft der RSG Läufer/Ost einen Wettkampf auf Bezirksebene. Beide Vereine befanden sich vor der 6. Runde im unteren Tabellenmittelfeld. Wir hatten 5:5 und Recklinghausen hatte 4:6 Mannschaftspunkte. In der 8. Runde (Heimspiel), am 21.03.2010 spielen wir gegen den Spitzenreiter: Oberhausen SV mit Grossmeister Vlastimil Hort und einer sehr starken Hintermannschaft. Ein Wettkampf, der sehr schwer für uns zu gewinnen sein wird. Für den Klassenerhalt benötigt eine Mannschaft im Allgemeinen 9 Mannschaftspunkte. Um die übrigen beiden Wettkämpfe gegen Doppelbauer Brambauer (Heimspiel, 7. Runde am 21.02.10) und den SC Buer-Hassel (9. Runde am 18.04.10) entspannt angehen zu können, waren für uns 2 Punkte aus dieser Begegnung in Recklinghausen notwendig. Die Aufstellung des RSG Läufer/Ost war für uns im Vorfeld schwer einzuschätzen. Mit Heiko Kummerow (DWZ 2278), Rainer Pielnik (DWZ 2115), Peter Buchholz (DWZ 2118), Roland Mecklenburg (DWZ 2031) sowie möglichem Ersatz aus der 2. Mannschaft durch Andreas Goschin (DWZ 2132) war ein spannender Wettkampf zu erwarten. Wie in den Vorrunden auch, trat die RSG Läufer/Ost auch an diesem Sonntag nicht mit allen vorgenannten Spieler an. Wir spielten mit folgenden Mannschafts- aufstellungen gegeneinander: RSG Läufer/Ost SK Holsterhausen
Heiko Kummerow (DWZ 2278) - Marcus Bee (DWZ 2144) Roland Mecklenburg (DWZ 2031) - Anna Dergatschova-Daus (DWZ 2163) Martin Herud (DWZ 1948) - Abram Chasin (DWZ 2169) Thorsten Jaring (DWZ 1950) - Thomas Neuer (DWZ 2015) Rolf Jungbluth (DWZ 1912) - Pierre Bobzin (DWZ 2085) Peter Buchholz (DWZ 2118) - Martin Slowik (DWZ 1990) Frank Schoebel (DZW 1883) - Christoph Kortenbusch (DWZ 1962) Christian Kallies (DWZ 1757) - Jürgen Hermann (DWZ 1898)
Bereits nach 40 Minuten war die erste Partie zu unseren Gunsten entschieden. Annas Gegner, Roland Mecklenburg, spielte einen geschlossenen sizilianischen Aufbau und lässt den Zentrumsdurchbruch von Schwarz mit d5 zu. Nach dem sich dann entwickelnden Schlag- abtausch ist Weiss gezwungen seinen Springer von c3 nach b1 zurückzustellen. Nachdem er Annas Läufer von b4 bis nach b6 zurückgetrieben hat, gruppiert Roland seinen Springer von d2 auf den Königsflügel um und übersieht dabei, dass nach Annas Damen-Schach auf c3 der Turm auf a1 einzügig verloren geht: Brett 2: Roland Mecklenburg (DWZ 2031) - Anna Dergatschova-Daus (DWZ 2163) (0 : 1) 1. e4 c5 2. Sc3 e6 3. Sf3 Sc6 4. g3 Sf6 5. d3 d5 6. De2 Sd4 7. Sxd4 cxd 8. Sb1 Lb4+ 9. Sd2 Dc7 10. a3 La5 11. b4 Lb6 12. e5 Sd7 13. Sf3 Dc3+.  Jürgen bekommt nach 50 Minuten ein Remisangebot von Christian Kallies. Mit Schwarz spielte er gegen den Colle-Aufbau eine damenindische Figurenaufstellung und muss nach zu früher Aufgabe der Zentrumsspannung im 10. Zug, durch Abtausch seines Bauern von d6 auf e5, erkennen, dass er sich damit keinen Gefallen getan hat. Weiss hat aktives Figurenspiel, droht den Königsflügel von Schwarz mit beiden Läufern anzugreifen und engt durch den vorgezogenen Bauern auf e5 das schwarze Spiel ein. Die Stellung ist vorteilhaft für Weiss. Der einzige Plan von Schwarz und stabile Aufbau gegen einen Königsangriff besteht darin, den weissfeldrigen Läufer von b7 nach c6 vorzurücken um die Dame nach b7 zu spielen und so auf der Diagonalen a8-h1 Druck auszuüben. Dann mit dem Bauern von g7 nach g6 und mit dem Springer von e8 nach g7 ziehen, um den Konigsflügel gegen die beiden gegnerischen Läufer abzusichern. Je nach weissem Spielverlauf erfolgt der Vorstoss des Bauern f7 nach f6 oder nach alternativ nach f5. Schwarz behält einen Einzelbauern im Zentrum und wird in den nächsten 10 bis 15 Züge darauf spielen, den weissen Druck auszugleichen. Zu diesem Zeitpunkt hatten: Abram (Brett 3) und Christoph (Brett 7) bereit jeweils über eine Stunde Bedenkzeitvorteil gegenüber ihren Gegnern und wir führten mit einem Punkt. Es bestand keine Notwendigkeit, die Partie mit dieser Stellung weiterzuspielen und ein Risiko einzugehen. Brett 8: Christian Kallies (DWZ 1757) - Jürgen Hermann (DWZ 1898) (1/2 : 1/2) 1. d4 Sf6 2. Sf3 e6 3. e3 b6 4. Ld3 Lb7 5. Sbd2 c5 6. De2 Le7 7. c3 d6 8. 0-0 0-0 9. e4 Sbd7 10. e5 dxe5 (?) 11. dxe5 Se8 12. Se4 Dc7 13. Lf4 Td8 14. Tfd1.  Der dann stattfindende weitere Verlauf des Wettkampfes war verblüffend: Abrams Gegner, Martin Herud, hatte seine Bedenkzeit stark aufgebraucht, um zu berechnen, ob er einen weissen Turm, der in seinen Damenflügel eingedrungen war, durch seine beiden Läufer bedrängen und so die Qualität gewinnen kann. Nach einem spannenden weiteren Mittelspielverlauf behielt Abram seinen Mehrbauern und baute seinen Vorteil von Zug zu Zug weiter aus. In Zeitnot und in bereits schlechterer Stellung gerät Martin Herud in das Mattnetz von Abrams Dame und Turm und muss die Partie aufgeben. Brett 3: Abram Chasin (DWZ 2169) - Martin Herud (DWZ 1948) - (1 : 0)  Marcus hatte mit Fide-Meister Heiko Kummerow den stärksten Gegenspieler. Aus einem Colle-Aufbau heraus erspielte er sich zunehmend Vorteile. Heiko Kummerov übersieht eine taktische Drohung von Marcus, büsste einen Bauern direkt ein und droht in den folgenden Zügen seine Damenflügelbauern ohne Kompensation zu verlieren. Er gibt die Partie direkt auf. Brett 1: Marcus Bee (DWZ 2144) - Heiko Kummerow (DWZ 2278) (1 : 0) Thomas Gegner, Thorsten Jaring, opferte im Mittelspiel eine Figur, um dadurch einen Königsangriff mit taktischen Gewinnschancen zu erhalten. Er wird jedoch von Thomas komplett abgeblockt, verbleibt ohne weitere Angriffsmöglichkeiten und hat keine Kompensation für die geopferte Figur. Thorsten gibt die Partie auf. Brett 4: Thorsten Jaring (DWZ 1950) - Thomas Neuer (DWZ 2015) (0 : 1)  Zu diesem Zeitpunkt war der Wettkampf bereits mit 4 1/2 zu 1/2 gewonnen! Pierres Gegner, Rolf Jungbluth, gibt im Mittelspiel zur Entlastung des Drucks gegen seine Königsstellung die Qualität zurück, bekommt aber keinen ausreichenden Schutz für seinen König gegen Pierres Angriff. Dem drohenden Mattangriff oder Damenverlust durch Pierres Dame und Turm kann er nichts mehr entgegenstellen und gibt die Stellung auf. Brett 5: Pierre Bobzin (DWZ 2085) - Rolf Jungbluth (DWZ 1912) - (1 : 0) Christoph eröffnet mit 1. e4 und sein Gegner, Frank Schoebel, spielt einen sizilianischen Aufbau mit Sc6, g6 und Lg7. Bereits im 10. Zug und 11. Zug überlegte Frank Schoebel sehr lange, wie er weiterspielen soll. Er entscheidet sich dafür, seinen Läufer von d4 nicht nach g7 zurückzuspielen und entwickelt seinen Springers von g8 nach f6. Die Stellung machte für Zuschauer einen ungewöhnlichen Eindruck mit dem abgesperrten Financhetto-Läufer in der Brettmitte. Christoph behielt im weiteren Verlauf die Stellung im Griff, übte Druck aus und gewann im 27. Zug die vorletzte Partie. Zu diesem Zeitpunkt steht es bereits 6 1/2 zu 1/2 zu unseren Gunsten. Wer hätte vorher mit einem solchen Verlauf dieser Begegnung gerechnet! Brett 7: Christoph Kortenbusch (DWZ 1962) - Frank Schoebel (DZW 1883) (1 : 0) 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.0-0 Lg7 5.Te1 Sd4 6.Sxd4 cxd4 7.c3 a6 8.La4 Dc7 9.cxd4 Lxd4 10.Sc3 Sf6 11.d3 b5 12.Lb3 0-0 13.Lh6 Te8 14.Tc1 Da7 15.Tc2 Lb7 16.e5 Sh5 17.Dg4 Lc6 18.Sd5 (möglicher Weise ist Se4 besser) Tac8 Bis hierher hatte ich die Partie ganz gut im Griff, jetzt verlor ich jedoch den Überblick 19.Tec1? Am einfachsten gewann Sf4 (19. ... Sf4, 20. Df4: und f7 ist nicht gut zu decken (20. ... e6, 21. Df6) und falls 20. ... Sg7 entscheidet 21. Sg6: den Tag). Lxe5 20.Lg5 (Das von Anna vorgeschlagene 20. Se7:+ ist nach Te7:, 21. Tc6: Tc6: 22. Tc6: unklar, wahrscheinlich für Weiß leichter zu spielen). Sf6 21.Sxf6+ exf6 22.Le3 Db7 23.d4 f5 24.Dg5 f4 25.dxe5 (Ld2!) fxe3 26.fxe3 Ld5 (Le4 ist absolut gleichermaßen erzwungen wie spielbar) 27. Ld5: 1-0  Die letzte Partie war auch die Spannenste! Aus seiner Pirc-Verteidigung entwickelt Martin einen Königsflügelangriff gegen die Stellung von Peter Buchholz. Mit weniger als 1 Minute Restbedenkzeit führt Martin seinen Angriff, als wäre Zeitnot kein Problem für ihn. Etwas weniger als 20 Züge sind in 48 Sekunden zu spielen. Bei verbleibenden 8 Sekunden Bedenkzeit und über 10 Zügen ermahnt Thomas den Gegenspieler Martins nicht mitzublitzen und die Notation direkt aufzuschreiben. Die verbleibende Bedenkzeit auf Martins Uhr ist nichts für schwache Nerven. Im 39. Zug gibt Peter Buchholz die Partie auf, Martin droht im nächsten Zug weiteres Material zu gewinnen. Am Ende stehen noch 2 Sekunden Bedenkzeit auf Martins Uhr. Eine starke Nerven- und Konzen- trationsleistung von Martin! Brett 6: Peter Buchholz (DWZ 2118) - Martin Slowik (DWZ 1990) (0 : 1)  Mit 7 1/2 zu 1/2 gewinnen wir den Wettkampf in Recklinghausen unerwartet hoch.
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