Bezirksliga 14.02.2010 PDF Drucken E-Mail

Bezirksliga 14.02.2010 (Valentinstag ;-))

SKH II überrennt Rochade Rüttenscheid I 6:2

Nach drei Unentschieden in den ersten drei Mannschaftskämpfen und einer knappen 3,5:4,5 Niederlage gegen den verlustpunktftreien Spitzenreiter Mülheim Nord IV haben wir in den Mannschaftskämpfen 5 und 6 unsere Unberechenbarkeit unter Beweis gestellt.
In unserem fünften Mannschaftskampf erspielten wir uns einen wunderschönen 6,5:1,5 Kantersieg gegen WDB III. Anschließend versemmelten wir jedoch in der sechsten Runde den Mannschaftskampf gegen das bis dato sieglose Schlusslicht Mülheim Nord V mit 3,5:4,5. Geplant war das ganz anders...
In der siebten Runde hatten wir ein paar Probleme mit der Aufstellung. Nach Absagen von Helmut Schneider, Michael Eusgeld, Kai Brökelmeier und Christina Elser war klar, dass wir Verstärkung aus der Dritten brauchen. Glücklicherweise sprang Georg Tecklenborg ein und Christina nahm ihre Absage zurück. Georg hat uns zu Liebe sogar auf das Fußballspiel Schalke 04 - 1. FC Köln verzichtet, für das er eine Karte hatte. Tausend Dank, lieber Georg! Die Mannschaftsaufstellung sah wie folgt aus.
7. Runde Bezirksliga

SC Rochade Rüttenscheid - SK Holsterhausen II

Ralf Hofmann (DWZ 1894)                  - Thorsten Imberg (DWZ 1900)
Jürgen Koprek (DWZ 1963)                 - Alexander Kröner (DWZ 1826)
Jochen Bruckmann (DWZ 1760)              - Dirk Prinz (DWZ 1955)
Holger Koring (DWZ 1780)                 - Marcel Krieglstein (DWZ 1779)
Christoph Von Gersdorff (DWZ 1764)       - Christina Elser (DWZ 1697)
Adalbert Seibert (DWZ 1628)              - Alexander Hanspach (DWZ 1650)
Uwe Furchtbar (DZW 1863)                 - Fritz Brökelmeier (DWZ 1667)
Dieter Koprek (DWZ-los)                  - Georg Tecklenborg (DWZ 1794)

Nach etwas mehr als 1 Stunde war die erste Partie bereits entschieden. Ich befand mich gerade erst im 8. Zug, als Georg seinen Gegner bereits überrollt hatte. In der Schlussstellung hatte Georg eine Leichtfigur mehr, seine Bauern schnürten den kompletten Damenflügel ein und nebenbei drohte er auch noch matt. Ich fragte, ob er sich extra so beeilt hatte, um das Fußballspiel noch zu sehen. Nee nee, meinte er, die Karte hatte er schon abgegeben.
Dieter Koprek (DWZ-los) - Georg Tecklenborg (DWZ 1794): 0-1
Die nächsten Entscheidungen fielen an den Brettern 6 und 7.  Alexander Hanspach fand gegen Adalberts Angriffsbemühungen stets die richtige Parade und konnte ihm in verzwickter Stellung sogar eine Leichtfigur abluchsen. Der volle Punkt war somit nur noch eine Frage der Zeit. Alex gewann nach dem berühmten ABC-System von Alexander Schramm: Abtauschen, Besänftigen und Cherereien vermeiden.
Adalbert Seibert (DWZ 1628) - Alexander Hanspach (DWZ 1650): 0-1

Fritz hatte die schönste Stellung von uns allen. Die weiße Bauernkette b2, c3, d4, e5 nahm dem schwarzen König, der sich immer noch in der Brettmitte befand, die Luft zum Atmen. Als sich dann noch der f-Bauer auf den Weg machte, das Zentrum zu knacken, sah alles nach einem glanzvollen Sieg für Fritz aus. Leider kam dann ein kurzer Moment der Schachblindheit und Fritz stellte die Dame ein. Das hat der Gegner furchtbar ausgenutzt.
Uwe Furchtbar (DZW 1863) - Fritz Brökelmeier (DWZ 1667): 1-0
Thorsten hatte am ersten Brett eine bequeme Stellung und bekam ein Remisangebot. Nach näherer Betrachtung der übrigen Stellungen wollte ich ihm schon mein 'Okay' geben, denn wir standen an allen Brettern mindestens ausgegelichen. Thorsten wollte meine Antwort nicht abwarten, sondern schlug erst mal einen Bauern am Damenflügel, den der Gegner nicht zurückschlagen konnte. Kurz darauf verzahnten sich Thorstens Bauern in der gegnerischen Stellung und legten den kompletten Damenflügel lahm. Als dann noch der Durchbruch gefunden war, gewann Thorsten durch ein hübsches Damenopfer, das einem Freibauern den Weg zur Umwandlung freimachte.
Ralf Hofmann (DWZ 1894) - Thorsten Imberg (DWZ 1900): 0-1
Nun hatten wir eine angenehme 3:1-Führung und standen nach wie vor ganz ordentlich an den verbleibenden Brettern. Nach zwischenzeitlichem Bauerngewinn fühlte ich mich schon auf der Siegerstraße. Dummerweise übersah ich einen taktischen Schlag meines Gegners, wodurch ich den Mehrbauern verlor und eine schlechter entwickelte Stellung behielt. Es sah aber mehr nach Remis als nach Verlust aus.
Dirks Stellung war wahrscheinlich komplizierter, als ich es beim Kiebitzen gesehen habe. Beide Spieler hatten Initiative und bedrohlich postierte Leichtfiguren, aber noch keinen sichtbaren Vorteil. Marcel hatte gegen Holger Koring eine Stellung, die nicht nach Remis aussah. Das war für viele eine Überraschung. Nachdem Marcel am Königsflügel einen Schwerfigurenangriff abgewehrt hatte, stand der gegnerische weiße Turm auf h3 auf verlorenem Posten und spielte praktisch nicht mehr mit, so dass Marcel über den Damenflügel mächtig Druck machen konnte.
Christina spielte mit weiß gegen einen Drachen aus Sizilien und stand bis ins Mittelspiel ausgezeichnet. Besonders der mächtige Springer auf d5 wusste zu gefallen. Als dann nach und nach die Figuren abgetauscht wurden, zog Schwarz die Initiative an sich und ließ die Bauern effektiv nach vorne laufen. Während Marcel die Qualität gewinnen konnte, musste Christina die Waffen strecken.
Christoph Von Gersdorff (DWZ 1764) - Christina Elser (DWZ 1697): 1-0
Nun stand es 3:2 für uns und es liefen noch drei Partien. Jochen Bruckmann geriet massiv in Zeitnot und stellte zu Dirks Freude eine Leichtfigur ein. Mein Gegner bot mir remis an, weil er sah, dass ich einen Bauern gewinnen konnte. Glücklicherweise habe ich den Bauerngewinn auch gesehen und munter weitergespielt. Marcels Gegner bot in verlorener Stellung und mit Minus-Qualität ebenfalls remis an. Was soll man dazu sagen? Marcel spielte eiskalt weiter und nach wenigen Zügen erhöhte er unsere Führung auf 4:2.
Holger Koring (DWZ 1780) - Marcel Krieglstein (DWZ 1779): 0-1
Ich glaube, es war Adalbert Seibert, der in den Saal rief: "Wir liegen 2:4 hinten! Ihr müsst beide gewinnen!" Da mussten nicht nur unsere Gegner schmunzeln. Jochen wehrte sich noch einige Züge lang, aber die Ruine, die mal seine Stellung war, bot überhaupt keine Hoffnung mehr. Irgendwann hat er das auch eingesehen.
Jochen Bruckmann (DWZ 1760) - Dirk Prinz (DWZ 1955): 0-1
Nun stand es 5:2 und wir hatten gewonnen. Ich hätte natürlich auch remisieren können, aber der Wunsch zu gewinnen, war größer. Beim Stand von 5:2 sah meine Stellung so aus:

Ich hatte zuletzt meinen b-Bauern nach b4 vorgerückt. Auch nach eventuellem 57. ...Sc3 58. Lf1 bzw. 57. ... Sc7 58. Lf1 hätte ich den b-Bauern ziehen müssen, um noch Gewinnchancen zu wahren. In dieser Stellung hatte ich keinen konkreten Gewinnplan. Ich wollte nur meine Figuren besser aufstellen, in der Hoffnung, dass mir bis dahin etwas einfällt. Ich dachte mir, dass mein König auf c3 stehen sollte und der Springer nach d2 gehört, um Druck auf den Bauern b3 zu machen und eventuell den Vorstoß c4 vorzubereiten. Mit den nächsten Zügen 58. Kb2 Ke3 59. Lc4 Sb6 60. Lf7 Kd2 61. Le6 ließ Weiß meinen König freiwillig nach d2 laufen.
Jetzt musste nur noch mein Springer nach d1 oder d3 gelangen, um den gegnerischen König zu vertreiben. Der gegnerische Läufer kann das Springermanöver Sa8, Sc7, ..., Sd3 letzlich nicht verhindern.
Nach 67. ... Sd3+ 68. Ka2 bin ich am Ziel angekommen. Nun wäre 68. ... Kc2! (mit der Drohung Sc1) deutlich stärker gewesen als die Partiefortsetzung 68. ... Kc3. Aber so ist das halt. Wenn man mal einen Plan gefasst hat, ist es sehr schwer, ihn zu verwerfen. Nachdem mein König auf c3 Platz genommen hatte, war es an der Zeit, den springer nach d2 springen zu lassen. Der Läufer schaute dabei wieder zu. Einige Züge später erreichten wir folgende Stellung:

Jetzt oder nie! Verstärken kann Schwarz die Stellung nicht mehr. Die Figuren stehen optimal. Die Zeit für den Durchbruch ist gekommen. Nur blöd, dass ich nicht wusste, wie es nach 72. ... c4 73. bc b3+ 74. Ka3 b2 75. Lg6 Sxc4+ 76. Ka2 weitergehen sollte. Ich habe keinen Gewinnweg mehr gesehen. Ich habe nur einen Gewinn gesehen, wenn der Läufer auf c4 schlägt. Zum Glück sah mein Gegner diesen Gewinnweg nicht, sondern dachte, er könnte so das remis forcieren. Es geschah 72. ... c4 73. Lxc4 Sxc4 74. bc Kc2!

Der schwarze Bauer ist schnell genug. Weiß gab auf.
Jürgen Koprek (DWZ 1963) - Alexander Kröner (DWZ 1826): 0-1